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VI. Wichtige Informationen für Dich als Prostituierte in Deutschland

Prostitution ist eine sexuelle Dienstleistung gegen Entgelt zwischen Erwachsenen, die voraussetzt, dass alle Beteiligten freiwillig diese Leistung anbieten bzw. in Anspruch nehmen. Leichter gesprochen: Prostitution ist Sex gegen (meist) Geld und ist immer freiwillig. Wenn Du nicht freiwillig als Prostituierte oder Prostituierter arbeitest, sondern jemand Dich dazu zwingt, ist das eine Straftat. Du kannst die Person, die Dich zwingt, bei der Polizei anzeigen. Dir passiert nichts, da Prostitution legal ist.

Oft wird Prostitution als Sexarbeit beschrieben. Das ist ein wichtiger Begriff. Er soll zeigen, dass Sex gegen Geld Arbeit ist. Inzwischen wird der Begriff international auch für Prostituierte benutzt, also „Sexarbeiter*in“ in Deutschland und „Sexworker“ international. Das Sternchen bei Sexarbeiter*in bedeutet, dass alle gemeint sind: also Frauen, Männer und Transmenschen.

Prostitution ist in Deutschland legal, Du darfst somit als Prostituierte in Deutschland legal arbeiten. In der Regel arbeitest Du dabei als Selbständige. 

Prostitution ist in Deutschland legal. Jedoch gibt es rechtliche Vorgaben. So gibt es in den meisten Städten eine sogenannte Sperrbezirksverordnung. Diese regelt, wo gearbeitet werden darf und wo nicht.

Meist ist es im Innenstadtbereich nicht erlaubt, ebenso neben Kirchen oder Schulen. In kleinen Städten in Baden-Württemberg mit einer Einwohnerzahl unter 35.000 ist Prostitution ganz verboten. Manchmal gibt es auch Bereiche, in denen nur zu bestimmten Tageszeiten gearbeitet werden darf, besonders wenn Du auf der Straße arbeitest.

Wenn Du Dir unsicher bist, kannst Du Dich an das Ordnungsamt wenden oder Kolleginnen und Kollegen fragen. Auch kannst Du bei Beratungsstellen nachfragen. Das alles kannst Du anonym machen, Du musst Deinen richtigen Namen nicht nennen.

Wenn Du dort arbeitest, wo es verboten ist, musst Du bei einer Kontrolle ein Bußgeld bezahlen.

Als Selbständige in der Prostitution hast Du Rechte und Pflichten. Diese gelten für alle selbständigen Tätigkeiten in Deutschland. Dazu gehört eine Anmeldung beim Finanzamt. Je nach Höhe Deines Einkommens musst Du Steuern zahlen.

In manchen Bundesländern gibt es auch eine pauschale Steuer pro Arbeitstag. Prinzipiell gilt für die Steuern: lass Dir über alles eine Quittung geben (Zimmermiete, gezahlte Pauschalsteuer, Arbeitsmittel wie Kondome usw.). Diese benötigst Du für Deine Steuererklärung.

Quittungen dienen Dir zudem als Nachweis für Deine tatsächlich ausgeübte Tätigkeit in der Prostitution. Du brauchst zudem in Deutschland eine Krankenversicherung, wenn Du hier arbeitest. Du kannst Dich z.B. freiwillig in der Gesetzlichen Krankenversicherung versichern.

Eine Behörde oder ein Amt ist eine staatliche Einrichtung, die Aufgaben der Verwaltung des Staates erfüllt. Sie erbringt dabei auch Dienstleistungen gegenüber den Bürgerinnen und Bürger.

Unabhängige Beratungsstellen gehören nicht zur Verwaltung. Eine seriöse und gute Beratungsstelle wird Dich anonym beraten. Zudem wird sie mit keiner Behörde Daten austauschen, wie z.B. mit dem Gesundheitsamt oder der Polizei.

Es gibt in allen größeren Städten Beratungsstellen, an die Du Dich jederzeit per Mail oder Telefon wenden kannst. Du kannst Dir auch persönlich einen Termin geben lassen und Dich z.B. zum Thema Gesundheit, Recht, Gewalt oder Ausstieg kostenlos und auf Wunsch auch anonym beraten lassen. In den Beratungsstellen arbeiten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die Dir bei allen Fragen weiterhelfen können.

Hier findest Du eine Liste mit Adressen und Telefonnummern der Fachberatungsstellen in Baden-Württemberg  

Wenn Du eine neue Tätigkeit suchst, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Du kannst zum Beispiel eine Beratungsstelle in Deiner Umgebung aufsuchen und Dich dort kostenlos und auf Wunsch auch anonym beraten lassen. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in den Beratungsstellen helfen Dir einen Lebenslauf zu schreiben, nach neuen Jobs im Internet zu suchen oder sie informieren Dich wie man ein Vorstellungsgespräch führt. Sie würden Dich so lange begleiten, bis Du eine neue Tätigkeit gefunden hast. In der Regel verfügen solche Beratungsstellen auch über gute Kontakte zu Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern in der Region, die für Dich hilfreich sein könnten. 

 

Du kannst Dich auch an die Agentur für Arbeit bzw. das Jobcenter in deiner Stadt wenden. Dort gibt es viele Angebote und Informationen zum Thema Ausbildung, Studium, Weiterbildung und anderen Jobmöglichkeiten oder auch Sprach- und Integrationskursen. Du hast in der Prostitution Steuern bezahlt und somit hast du einen Arbeitnehmerinnenstatus oder Arbeitnehmerstatus, der für das Beziehen von Leistungen wichtig ist. Diesen Status kannst du mit dem Steuernachweis des Finanzamtes nachweisen. 

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